Fashion & Beauty Fotografie – Wie fange ich an?
- Juni 26th Juni 2010
- Eingetragen inAllgemein
- vonChristian
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Vorwort:
Dieser Text richtet sich an all jene, die sich an der Fashion/Beauty Fotografie probieren möchten und ganz am Anfang stehen. Es soll sowohl eine kleine Hilfestellung bieten, als auch einen motivierenden Überblick verschaffen.

Ich will mir nicht anmaßen, hier das Optimum beschreiben zu können, aber vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen, etwas Zeit auf seinem Weg zu sparen.
Viel Spaß beim Lesen!
Herausforderungen:
Soso, du hast also eine Kamera, ein paar Objektive und vielleicht sogar schon den ein oder anderen Blitzkopf.
Jetzt möchtest du dich gern an der Fashion und/oder Beautyfotografie probieren und stehst somit sofort vor vielen neuen Herausforderungen.
Reicht meine Ausrüstung?
Soll ich Ausrüstung mieten?
Woher nehme ich Models?
Woher nehme ich Visagisten?
Was ist mein Job als Fotograf im Team?
Das ist alles so teuer, was tun?
Woher bekomme ich Wissen?
Woher bekomme ich Inspiration?
Woher bekomme ich Assistenten?

Es ist wie immer im Leben. Da liegt ein Stein auf deinem Weg und du räumst ihn weg, um dann irgendwann den nächsten Stein zu entdecken und ihn zu beseitigen. Je öfter du das machst, desto weiter kommst du – ganz einfach – in der Theorie.
Ausrüstung:
Du hast eine Spiegelreflexkamera? Gut! Der Rest interessiert erstmal nicht. Eine größere, bessere, bla bla….Kamera bringt dich jetzt nicht weiter.
Als Brennweiten sind 35mm, 50mm und 85mm auch erstmal völlig ausreichend. Ob nun als Zoom oder Festbrennweite ist egal. Selbst nur 50mm sind ein guter Anfangspunkt – egal ob Crop oder nicht. Spar dein Geld lieber für Licht.
Das Licht ist wichtig. Mein erster Blitzkopf war ein 320er Walimex mit 150×45 Softbox. Aus heutiger Sicht ganz klar zu wenig, aber für den Anfang zum Üben hat es gereicht.
Egal welcher Hersteller dich überzeugt, für 200 € solltest du einen Blitzkopf mit 300-500Ws und Softbox bekommen. Dazu gibt es immer ein Synchronkabel, damit du den Blitz mit der Kamera auslösen kannst – Das reicht auch. Alternativ kannst du ca. 50-70 € für ein Funksystem ausgeben.
Wenn du auch Outdoor und somit meist unabhängig von Strom arbeiten möchtest, (und das willst du sehr schnell, glaub mir) dann empfiehlt es sich in einen günstigen Porty (kleiner, portabler Akku für Blitze) zu investieren – z.B. bei Innovatronix. Hier liegen die Kosten bei ca. 400 €.
Auch ein Reflektor wird dir gute Dienste erweisen. Du hast die Wahl zwischen einem günstigem Model von z.B. Walimex oder du machst gleich Nägel mit Köpfen und holst dir einen von California Sunbounce. Auf jeden Fall sollte deine Wahl bei der Bespannung auf Silber und Weiß für den Anfang fallen. Sie sind einfach vielseitiger einsetzbar.
Später musst/willst du natürlich deine Ausrüstung erweitern, um deiner Kreativität die technischen Voraussetzungen zu liefern, die sie braucht, aber bis dahin wirst du selbst gemerkt haben, was du brauchst – harte Lichtformer, weiche Lichtformer – das ist Geschmacksache – schreib mir eine Mail, wenn du eine Frage hast.
Models:
Am Anfang kannst du dein Umfeld abgrasen – Du willst erstmal nur wissen, wie das Licht funktioniert und bestenfalls schießt du dabei Bilder, mit denen du dem Model eine Freude machen kannst.
Ich habe Kolleginnen, Kommilitoninnen und sogar fremde Leute von der Straße fotografiert – die beißen alle nicht.
Wenn die ersten vorzeigbaren Bilder in deiner Mappe sind, dann kannst du die bekannten Portale wie model-kartei.de oder juuuz.com nutzen um erste Kontakte zu knüpfen. Ab jetzt bist du mitten im Networking – aber dazu später mehr.
Irgendwann kommen Agentur-Modelle, wenn du genug Steine beseitigt hast.
Visagisten:
Arbeite erstmal ohne bis du Basiswissen erlernt hast. Sobald du Models aus der Model Kartei oder ähnlichen Quellen bekommst, kannst du dort auch nach Visagisten suchen.

Oftmals sind sie noch in der Ausbildung und auf der Suche nach Praxiserfahrung und ersten Bildern für die Mappe. Anfangs wirst du es relativ schwer haben Visagisten auf TFP Basis zu bekommen aber das ändert sich schnell – bleib einfach am Ball. Die Chancen sind in der Model-Kartei wohl für den Anfang am größten.
Mein Job im Team:
Du trägst die Verantwortung für das Shooting und das Gelingen deiner Idee. Du bist der Boss – tu aber nicht so – das ist blöd.
Es liegt in der Natur der Sache. Du hast ein Bild im Kopf und willst es auf Papier bringen. Alle anderen im Team unterstützen dich – nicht weil du so ein netter Kerl bist, sondern weil sie auch diese Bilder brauchen. Es liegt an dir, deinem Team bestmöglich zu erklären, was und vor allem wie es gemacht werden soll. Du besorgst Location, Genehmigungen, Ausrüstung, (gern auch Essen und Trinken), benötigte Zusatzmaterialien etc.
Außerdem sorgst du für gute Laune bei der Arbeit, gibst klare Vorgaben für Make Up, Stil, etc., versuchst die Meinungen der anderen einzuholen und und und….hier hat jeder seine eigene Art.
Wichtig ist nur, dass du verstehst, dass es an dir liegt, wenn etwas nicht klappt. Warum? Weil du der Verantwortliche bist und die anderen dich unterstützen.
Wissen aneignen:
Fotografie Basics bekommst du aus Büchern, aus Foren oder auch von Workshops.
Investiert ruhig das Geld für einen guten Workshop und denkt dabei nicht ans Bilder machen sondern mehr an das Wissen, was euch vermittelt wird.
Wenn du die Basics vom Lichtaufbau drauf hast, dann kannst du dich erfahrenen Fotografen als Assistent für ein Shooting anbieten. Gleichzeitig solltest du auch anderen Neulingen die Möglichkeit geben dir über die Schulter zu sehen.
Ansonsten heißt es einfach Learning by Doing – Übung macht den Meister.
Organisation:
Treffen, schminken und los geht´s? Nein. Du brauchst einen Plan.
Was willst du aufnehmen? Keine Idee? Anfangs kannst du versuchen, andere Bilder „nachzuschießen“. Damit hast du quasi eine Vorlage – oder besser noch – eine Bauanleitung.
Du siehst verschiedene Dinge an deiner Vorlage:
- Welche Lichtquellen kamen zum Einsatz?
- Welche Farben wurden verwendet?
- Welche Stilelemente tauchen auf?
Wenn du das noch nicht erkennen kannst, dann such dir Fashion Fotografie Tutorials im Internet – Hier sind meist detaillierte Erklärungen und Lichtskizzen dabei.
Dem Model und der Visagistin solltest du unbedingt einen TFP Vertrag unterschreiben lassen. Hier wird geregelt, dass jeder kostenlos für das Projekt arbeitet und jeder am Ende die nicht-kommerziellen Rechte an den Bildern erhält.
Oftmals fragen unerfahrene Modelle direkt nach dem Shooting nach allen Bildern in unbearbeiteter Form – mein Tipp: Lass dich von Anfang an nicht darauf ein. Nur du – und das sollte im Vertrag stehen – wählst aus, welche Bilder bearbeitet und veröffentlicht werden. Wenn es am Ende nur ein Bild sein sollte, dann ist das eben so – fertig.
Kosten für Anfahrt, Materialaufwand etc. zahlen? Warum? Zahlt jemand deine Kosten anteilig mit? Nein? Dann ist es nur fair wenn jeder seine eigenen Kosten trägt, oder? Ich habe niemals für ein freies Projekt ein Model bezahlt. Bei meinem ersten freiem Shooting habe ich 3 Visagisten bezahlt – danach niemals wieder.
Ganz wichtig: Geh das Shooting im Kopf schon einmal durch. Findest du Fehlerquellen? Alles ok? Gut, dann kann´s losgehen!
Shooting:
Je weiter du am Anfang stehst, desto mehr ist der technische Aspekt beim Shooting in deinem Kopf. Lass dir Zeit beim Lichtaufbau und teste bis es optimal passt.
Wenn du dein OK für das Licht gibst, dann schieß dich und das Model kurz warm und lösch danach die Bilder.

Jetzt geht es richtig los. Das Model weiß was du von ihr willst, die Visa steht bereit und achtet selbstständig auf Details und du vergisst jetzt den Monitor an deiner Kamera und konzentrierst dich nur noch auf den Sucher. Drück nur ab, wenn du das Bild auch haben willst. Schieß langsam und wenig – dafür aber sehr durchdacht.
Nach 20-25 Schüssen kannst du die Ergebnisse am Rechner oder notfalls der Kamera kontrollieren. Entspann dich – dieser Schritt ist wichtig. Hier siehst du letzte Fehler, die Bildwirkung und vielleicht sogar schon das ein oder andere tolle Bild, was du in der nächsten Runde noch optimieren kannst.
So arbeitest du dich bis zu deinem Wunschergebnis vor und achtest dabei immer auf die anderen im Team. Frag nach ihren Meinungen, lass sie sich einbringen und sorge für gute Laune.
Und noch mal: Ganz wichtig! Du brauchst einen Plan vor dem Shooting! Das Schießen selbst ist nur die Kirsche auf dem Kreativ-Kuchen, den du da gebacken hast.
Finanzierung:
Wenn Geld bei dir im Überfluss vorhanden ist, dann kannst du diesen Teil ruhig überspringen. Für alle anderen heißt es auch hier – kreativ sein!
Den betriebswirtschaftlichen Teil werde ich hier nicht beachten – das ist ein anderes Thema.
Es gibt Rent-Stationen sowohl von Hensel, ProFoto und Elinchrom. Du kannst überall auf der Welt und sicher auch in deiner Umgebung irgendwo Licht mieten. Für die Studentenkasse ist aber selbst das eine zu hohe Ausgabe um sie mehrmals im Monat tätigen zu können.
Was also tun? Such deinen Vorteil. Ich konnte z.B. immer gut Organisieren und habe die reine „Organisationsleistung“ für Fotoshootings verkauft. Jeder zahlte seinen Teil für die Miete und ich organisierte Models, Locations, etc.
So kam ich zu meinen „Übungsstunden“ und konnte schnell Wissen aufbauen.
Ganz nebenbei habe ich auf diesem Weg wunderbare Menschen kennengelernt mit denen ich bis heute meinen fotografischen Weg gemeinsam gehe – und damit sind wir auch schon beim nächsten, vielleicht wichtigstem Thema.

Networking:
Jeder hat Kontakte. Du hast welche, ich habe welche. Was passiert wenn wir beide merken, dass wir ein gemeinsames Ziel verfolgen? Wir legen unsere Kontakte und die daraus resultierenden Vorteile zusammen und kommen somit schneller weiter – klingt logisch oder?
Es gibt unzählige Bücher zu diesem Thema und ich bin alles andere als ein Experte aber lasst euch eines sagen:
Seid gut zu den Menschen mit denen ihr Projekte gemeinsam macht – seien es Models, Visagisten oder was auch immer. Sorgt dafür, dass sie ebenfalls einen Mehrwert aus der Zusammenarbeit ziehen und sie werden euch mit Sicherheit auch in Zukunft unterstützen.
Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber so ist das im Leben.
Selbst wenn du die Fotografie als reines Hobby betrachtest, kommst du viel weiter, wenn du Teil einer Gemeinschaft bist.
In Zeiten von Social Media Marketing, Model-Kartei, Juuuz und den gefühlten 100 weiteren Plattformen ist den Webauftritt sehr wichtig zur Herstellung guter Kontakte.
Veröffentliche nur wenige Bilder von dir. Das schlechteste Bild in deinem Portfolio legt die Messlatte für dich. Zeig also lieber 10 hervorragende Bilder also 20 durchschnittliche.
Auch wenn man über den qualitativen Inhalt streiten kann, sind unumstritten diese Portale ein hervorragender Networking-Jungle für alles rund und um die People-Fotografie.
Schlussbemerkung:
Vergiss niemals den Spaß an der Fotografie!

Wenn du einer von denen bist, die tatsächlich über genug Ausdauer verfügen, diesen Weg zu gehen, dann werden Zeiten kommen, in denen du keinen Bock mehr hast. Entspann dich, leg die Kamera weg und mach den Kopf frei.
Das Leben hat auch noch andere schöne Seiten.
Viel Spaß

Vielen Dank!!! toller Beitrag!!! bin zwar kein Anfänger mehr, aber auch kein Profi… deswegen konnte ich für mich viele wichtige und interessante Sachen rauslesen…
bg
Pavel
Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.
Gruss
Andres
Vielen Dank – hat mir wirklich sehr geholfen und du hast die einzelnen Schritte und Probleme wirklich sehr gut erklärt – DANKE!
cheers tom =)
Der Beitrag gefällt mir sehr gut, da mich in vielem, was ich bereits mache bestätigt.
Was mir fehlt ist eine detailierte Beschreibung zur wirklichen Selbstständigkeit, wo ich ja hin will.
Dennoch finde ich das eine sehr gute Anleitung, gerade für die, die gerade erst angefangen haben.
Michael Winsel
Hallo Christian,
erst einmal vielen Dank für deinen ausführlichen Artikel. Ich hatte zu diesem Thema einmal einen Workshop gemacht – dein Artikel vermittelt aber auch alles, nur eben in schriftlicher Form.
Die Planung etc. ist nicht mein Problem, sondern eher die Ansprache der Modelle, also Posinganweisungen. Das kann ich nicht sehr gut rüberbringen. Und wenn man dann mit dem Modell dasteht, dann kommt das nihct so gut bzw. es ensteht eine eher angespannte Stimmung. Hättest du dazu ein paar Tips? Oder kommt das dann mit der Zeit von alleine. Bisher hatte ich meistens erfahrene Modelle, nur die stehen mir auch nicht immer zur Verfügung und lösen mein Problem mit der Ansprache nicht.
VG
Niels
@Niels
Hi Niels,
Am besten ist es, wenn du ein Model hast, was deine Idee versteht und sich bestenfalls auch noch in die Bildgestaltung “einleben” kann. Klar, wie du schon sagst, die wachsen nicht auf Bäumen.
Diese angespannte Stimmung von der du sprichst – und hier kann ich nur vermuten – ist deine Unsicherheit in dem Moment, was auch das Model spürt.
Wenn du deine Idee für das Shooting hast, dann stell dir auch die fertigen Bilder gleich vor. Sieh quasi das Bild schon lange bevor du es tatsächlich schießt.
Und wenn wieder so eine angespannte Situation entsteh, dann lass es dir nicht anmerken. Das Model muss dir vertrauen und sich sicher sein, dass alles gut geht. Wenn du lange ins stocken kommst, dann lass nachschminken, ordne dich neu und mach weiter.
Es gibt Bücher zum Thema posing mit vielen bildbeispielen, die meiner Meinung nach nichtmal das Papier auf dem sie gedruckt sind wert sind. Investiere stattdessen mal in internationale modemagazine (am Bahnhof und Flughafen zu kaufen).
Weiterhin viel spaß,
Vg, Christian
THX für die schnelle Antwort!
Ich werde mir das jetzt mal so zu Herzen nehmen.
Vielen dank auch noch einmal für deine ganzen Einblicke. Gerade die Making Off´s sind sehr toll!
VG
Niels